Fallbeispiel

Fallbeispiel 1/2014 einer Unternehmensliquidation

1. Ausgangslage

Bei dem zu liquidierenden Unternehmen handelte es ich um einen mittelständischen Werkzeug- und Maschinenhersteller der seit bereits 50 Jahren am Markt präsent war. Bereits vor Jahren wurde seitens der Geschäftsführung entschieden den Maschinenbau weitestgehend einzustellen und sich stattdessen auf Service und Reparatur zu konzentrieren. Die i. d. R. kleinen Maschinen wurden daher im Zukauf erworben und unter Private Label vertrieben.

Die Werkzeugherstellung und Entwicklung durch die technische Abteilung wurden davon nicht betroffen.

Vor einigen Jahren wurde eine weitere Produktlinie eröffnet. Diese Produkte wurden seitens der Geschäftsführer direkt an Großkunden, sog. Key Accounts vertrieben und hatten mit dem Kerngeschäft nichts zu tun.

Summa summarum waren die ergriffenen Maßnahmen erfolgreich und führten zu einem positiven Geschäftsergebnis. Nichts desto Trotz machten sich die Geschäftsführer weitere Gedanken wie die Zukunft aussehen könnte. Zumal nach der Wirtschaftkrise in 2008 nichts mehr so schien wie es einmal war. Die Margen verfielen weiter, Global Player versuchten über Preis und Service den Mittelstand zu verdrängen und kleine, wie auch große Unternehmen suchten verstärkt ihr Glück im Zukauf asiatischer Produkte.

Die Kunden selber schauten vorwiegend nur auf den Preis. Wie sollte da die Zukunft für einen Mittelständler mit enormer Fertigungstiefe und damit 100% „Made in Germany“ aussehen? Das Ziel konnte nicht sein auf den asiatischen Zug aufzuspringen, da sofort eine Vergleichbarkeit der Produkte und der weitere Preiskampf im Raum stehen würden.

Optimal wäre ein aussetzen der Tätigkeit für die nächsten 5 Jahre gewesen oder zumindest solange bis eine Marktbereinigung stattgefunden hätte. Das ist ein Traum fern jeglicher Realität,  der damit natürlich nicht umsetzbar war!

Die Realität ließ die Gesellschafter zu der klugen Entscheidung gelangen die Geschäftsführung mit der Liquidation des Unternehmens zu beauftragen, als vielleicht früher oder später dem Insolvenzverwalter das Feld zu überlassen! Als Liquidator des eigenen Unternehmens bleiben Sie der Herr oder auch die Frau im Hause!

Vor dieser Entscheidung waren jedoch einige wichtige Parameter zu ermitteln!


2. Vorgehensweise

Als erstes wurden seitens des Financial Managements Debitoren und Kreditoren aufgelistet. Besonderes Augenmerk wurde hierbei auf kurz-, mittel- und langfristige Verbindlichkeiten gelegt. Weiterhin wurde ein Business Plan für die nächsten 12 Monate erstellt. Nach Rücksprache mit den entsprechenden Fachleuten für Unternehmensliquidation wurde dieser Businessplan dann in die Realität umgesetzt. Hierzu wurde wiederum ein Ablaufplan für die Vorgehensweise während der Liquidation erstellt. An dieser Stelle möchte ich darauf hin weisen, dass es selbst bei bester Planung und unter Einhaltung aller gesetzlichen Bestimmungen es durchaus zu nicht zu unterschätzenden Problemen kommen kann die eine Hilfestellung Dritter erforderlich macht! Ein Alleingang kann hier im wahrsten Sinne des Wortes zum (Unternehmens-) Tod führen! Wer will schon sein eigenes Unternehmen als Liquidator in die Insolvenz führen?

Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter in Details der Abwicklung gehen, da diese sich natürlich je nach Unternehmen anders darstellen können, aber darauf hin weisen, dass es sehr wichtig ist die Kreditinstitute im Vorfeld mit ins „Boot“ zu nehmen. I. d. R. hat das einzelne Unternehmen Verbindlichkeiten und damit der Unternehmer Darlehen für die er persönlich haftet. Hier ist explizit die Bank von der Entscheidung zu informieren und die Abwicklung des Unternehmens darzustellen, um eine erfolgreiche Liquidation zu ermöglichen. Der Einfluss der Banken sollte hierbei nicht unterschätzt werden!

Erfahrungen zeigen, dass es auch hier seitens der Banken Unterstützung gibt, z. B. Aufrechterhaltung der Kontokorrentlinien! Ohne Liquidität keine Liquidation!

Nach dem alle steuer- und rechtlichen Aspekte mit entsprechenden liquidations- erfahrenen Fachleuten geklärt sind, geht es in die eigentliche Umsetzung.

Die beschriebene Liquidation lief gesetzeskonform über eine Laufzeit von 12 Monaten, gerechnet ab der Veröffentlichung im Bundesanzeiger! In diesem Zeitraum wurde das komplette Unternehmen abgewickelt. Dies umfasste alle Unternehmensbereiche wie

  • Debitoren und Kreditoren, inkl. kurz-, mittel- und langfristige Verbindlichkeiten
  • Miet- und Leasingverträge
  • Personal
  • Lagerbestände
  • Inventar
  • Gebäude

um an dieser Stelle nur einige der wichtigsten Bereiche zu nennen.


3. Beendigung der Liquidation

Die Liquidation endet, wenn das Unternehmen wie beschrieben abgewickelt wurde. Danach kann die Löschung des Unternehmens beim Amtsgericht beantragt werden.

Im vorliegenden Fall des Werkzeugherstellers verlief die Liquidation besser als erwartet. Aufgrund der guten Vorbereitung hielten sich die finanziellen Abweichungen in Grenzen.

Ferner konnten aus den Lagerbeständen und dem Anlagevermögen höhere Werte als geplant erzielt werden.

Die noch verbliebenen Werte gehören nun den Liquidatoren und gehen damit auf deren „Konto“ über. Eine Liquidation bei der alle Beteiligten zufrieden waren!

Im Übrigen haben sich die Befürchtungen der Gesellschafter im Nachhinein existenzbedrohlicher dargestellt als erwartet. Die Margen sind weiter verfallen, Unternehmen wurden mittlerweile von Asiaten übernommen und agieren nun direkt im Markt, ohne deutsche bzw. europäische Zwischenhändler und die sogenannten Global Player tun ihr übriges dazu die Situation in den Märkten weiter zu „verschärfen“!


4. Fazit

Eine Liquidation ist immer dann von Interesse wenn:

  • einer zukünftigen Insolvenz vorgebeugt werden soll eine Nachfolgeregelung nicht in Aussicht ist und das Unternehmen vernünftig aus dem Markt treten will
  • das Unternehmen aus den verschiedensten Gründen einfach den Markt verlassen möchte
  • der Unternehmer/die Unternehmerin bis zum letzten Tag die Fäden in der Hand halten möchte, hierzu ist allerdings unabdingbar eine unternehmerische Entscheidung zu treffen,  die nicht unbedingt alltäglich ist!

Wozu braucht man einen Berater?

Die Frage wozu auch noch ein externer Berater benötigt wird und, ob man das Geld dafür nicht einsparen kann erübrigt sich eigentlich, wenn man bedenkt:

  • ein erfahrener Berater kann Moderator, Organisator und Verwerter und damit hilfreich vor- und während der Abwicklung sein. Er kostet nicht nur, sondern ist hilfreich kostenintensive Fehler zu vermeiden.
  • Im Einsatz als Verwerter werden keine „Sonderposten“ verramscht die zu Lasten der Unternehmensliquidität gehen, sondern möglichst immer die bestmögliche Verwertung gesucht. Ein guter Berater/Verwerter erhält prozentual seinen Anteil von der Veräußerungssumme, dass bedeutet es bleibt i. d. R. mehr Geld und damit Liquidität im Unternehmen.
  • bei der feinen Art der Geschäftsauflösung bleibt der Unternehmer frei in seinen Entscheidungen und das bis zum Ende der Liquidation!

Dies sollten ausreichend Gründe sein sich externen Wissens zu bedienen! Mit einem Netzwerk aus Experten steht einer erfolgreichen Liquidation dann nichts mehr im Weg! Kontaktieren Sie uns und erfahren Sie mehr!